{"id":278,"date":"2016-11-25T14:53:52","date_gmt":"2016-11-25T14:53:52","guid":{"rendered":"http:\/\/neurokultur.ch\/?p=278"},"modified":"2018-02-21T16:55:05","modified_gmt":"2018-02-21T16:55:05","slug":"wuerdigung-von-andi-ambuehlers-werk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/neurokultur.ch\/?p=278","title":{"rendered":"W\u00fcrdigung von Andi Amb\u00fchlers Werk. Ren\u00e9 Bucher (02.11.2014)"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine bewegende Erfahrung, mit Andi zusammen f\u00fcr jedes seiner Werke einen passenden Platz in diesem Raum zu finden. Seine Kommentare zu meinen z.T. bohrenden Fragen f\u00fcgten sich allm\u00e4hlich zu einem Ganzen. Ich lernte dabei Andi als einen zur\u00fcckhaltenden, bescheidenen und liebensw\u00fcrdigen Menschen kennen, mit einem unglaublich regen Innenleben, das ihn dr\u00e4ngt, seine Gedanken in eine Form zu giessen. Manchmal fragte ich mich, ob sein \u201eEs\u201c gestaltet oder sein \u201eIch\u201c?<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich wie auf einer Schatzsuche. Zwar suchten wir nicht nach Gold und Silber, sondern nach Schl\u00fcsselw\u00f6rtern und Marksteinen in seinem Lebensweg. Er half mir dabei, in seinen Textilien, Objekten, Bildern und Glasperlenstickereien die verschiedenen verborgenen Schichten in seinen Werken ans Licht zu heben und darin zu lesen. Allm\u00e4hlich f\u00fcgten sich die vielen Puzzle-Steine zu einem lebendigen Bild.<\/p>\n<p>Auf unserer Erkundungsreise machten wir Halt an verschiedenen Orten auf dieser Welt. Andi lebte 8 Jahre in Italien, anschliessend 10 Jahre in Davos und dann in Z\u00fcrich, arbeitete zwischenzeitlich u.a. in London, New York, M\u00fcnchen, wo er mit anderen K\u00fcnstlern auch seine Werke ausstellte. Als ausgebildeter Schneider und sp\u00e4terer Designer arbeitete er f\u00fcr keine geringeren Modeh\u00e4user wie Valentino, Missoni und Werriuomo, f\u00fcr die er Textilentw\u00fcrfe anfertigte und Kollektionen zeichnete. Er reiste auch zweimal nach Nordafrika auf der Suche nach der im Altertum untergegangenen Stadt Karthago. Und damit kommen wir zum ersten Schl\u00fcsselwort: <strong><strong>Salammbo<\/strong><\/strong>. Salammbo war die Prinzessin und Schwester des uns aus der Sekundarschule noch bekannten Feldherrn Hannibal. Sie ist die zentrale Figur im Roman von Gustave Flaubert, der Mitte des 19. Jahrhunderts ein grosses Echo ausgel\u00f6st hatte. Ohne Kenntnis dieses Buches von Flaubert l\u00e4sst sich das Werk von Andi kaum richtig fassen. Ein paar Stichworte zum Inhalt dieses Buches:<\/p>\n<p><em>Die geheimnisvolle Salammb\u00f4 ist die Tochter des karthagischen Feldherrn Hamilkar Barkas und Schwester Hannibals, Priesterin der G\u00f6ttin Tanit. Als nach der Niederlage Karthagos im ersten Punischen Krieg ein S\u00f6ldneraufstand ausbricht, wird sie zur Retterin der Stadt, indem sie den vom S\u00f6ldnerf\u00fchrer M\u00e2tho geraubten heiligen Mantel der G\u00f6ttin zur\u00fcckholt. Aus dieser Handlung macht Flaubert einen gro\u00dfartigen Roman von ungeheurer Wucht, ein Buch voller Exotik, Sinnlichkeit, Brutalit\u00e4t und Grausamkeit, das den Leser fasziniert, abst\u00f6\u00dft und doch wieder in seinen Bann schl\u00e4gt. <\/em><\/p>\n<p>Und weiter:<\/p>\n<p><em>An der Meisterleistung \u201eSalammbo\u201c kann man sehen, wie viel buchst\u00e4blich knochenharter Arbeit es im Steinbruch der <strong><strong>Imagination<\/strong><\/strong> \u2026 und des Stils bedarf, um aus einer Phantasie einen Roman zu machen, dessen Geschichte tr\u00e4gt.<\/em><\/p>\n<p>Was man \u00fcber den Autor Flaubert sagt, k\u00f6nnte man auch vom K\u00fcnstler Andi Amb\u00fchler sagen: Knochenharte Arbeit im Steinbruch der Imagination! Die Geschichte \u201eSalammbo\u201c sollte man sich beim Betrachten der Textilien, der Glasperlenstickereien und der Objekte vergegenw\u00e4rtigen! Man denke insbesondere an den heiligen Mantel der Karthager beim Betrachten der M\u00e4ntel, Jacken, R\u00f6cke und Decken!<\/p>\n<p>Ein zweites Schl\u00fcsselwort ist gefallen: <strong><strong>\u201eImagination\u201c.<\/strong><\/strong><\/p>\n<p>Wie damals Leonardo da Vinci seine Sch\u00fcler aufgefordert hatte, zur Anregung ihrer Phantasie und Imagination, die Patina der Fassaden von alten H\u00e4usern zu betrachten, bevor sie mit ihrer Malerei beginnen, so steckt ein \u00e4hnlicher Gedanke hinter Andis Kunstwerken. Seine Werke wirken wie Leonardo da Vincis Patina: Sie regen die Vorstellungskraft, die Imagination an. Gelegentlich bemerkte Andi: \u201eStell dir vor, es wird ein Film gedreht, z.B. einen Pasolini, und man greift einfach zu diesen verschiedenen Objekten und gestaltet so eine stimmungsvolle Kulisse\u201c.<\/p>\n<p>Wir kommen zu einem weiteren Schl\u00fcsselwort: <strong><strong>Kulturen<\/strong><\/strong> und kulturelle Vielfalt.<\/p>\n<p>Afrika, Asien, Amerika, Europa &#8211; und Toggenburg!! In den Textilien sind buchst\u00e4blich in mehreren Schichten Reliquien, Fragmente verschiedenster Kulturen eingen\u00e4ht. Glasperlenstickereien von Lappland, von Arabien, M\u00e4ntel und Jacken aus Afrika, eben auch aus Karthago, wo er ja selber war!<\/p>\n<p>Ein weiteres Schl\u00fcsselwort ist gefallen: <strong><strong>Toggenburg<\/strong><\/strong>.<\/p>\n<p>Andi ist zwar ein Z\u00fcrcher, weilte aber immer wieder im Toggenburg, wohnte oft bei seiner Tante in Hinteregg bei Brunnadern. Und so verwundert es nicht, dass zwei pastellfarbene Bilder Ausschnitte aus dem Neckertal von Hinteregg aus darstellen. Ein weiteres Bild zeigt den \u201eFujiyama\u201c von Davos, das Seehorn und ein anderes die Natur vor seinem K\u00fcchenfenster in Z\u00fcrich-H\u00f6ngg. Die beiden Hunde verraten, dass Andi ein Tierliebhaber ist &#8211; die Appenzeller mag er weniger (gemeint sind die Hunde!)<\/p>\n<p>Andi liebt Jiddische Musik, die auch Elemente der Zigeunermusik enth\u00e4lt und somit auch eine gewisse Verbindung zum Flamenco besteht, wovon er gleich anschliessend einen Soleares und einen Fandango h\u00f6ren wird.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich bei Andi bedanken, dass er Liselotte und mir erlaubt hat, einen Blick in seine spannende Innenwelt zu werfen und wir an ihr teilhaben durften.<\/p>\n<p>Hemberg, 02.11.2014\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ren\u00e9 Bucher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine bewegende Erfahrung, mit Andi zusammen f\u00fcr jedes seiner Werke einen passenden Platz in diesem Raum zu finden. Seine Kommentare zu meinen z.T. bohrenden Fragen f\u00fcgten sich allm\u00e4hlich zu einem Ganzen. 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